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Die Revolution der Produktion

By 12. Juni 2019 No Comments

Der digitale Zwilling wird die Produktionsprozesse in den nächsten Jahren revolutionieren. Mehr noch: Er schickt sich an, die klassischen speicherprogrammierbaren Steuerungen in vielen Bereichen zu verdrängen, weil sie viel zu unflexibel sind. Überall  da, wo Produktionsanlagen schnell angepasst, umgebaut oder umgetaktet werden müssen, ist der digitale Zwilling als virtuelle Steuerungsumgebung eindeutig überlegen. Autonome und modulare Fertigung sind ohne ihn deshalb überhaupt nicht  darstellbar.

Das ist der Grund, warum sich der Digital Twin zu einem regelrechten Hype-Thema entwickelt hat. Der Begriff wird inzwischen inflationär für jedes virtuelle Abbild eines realen Objekts verwendet, auch wenn es sich nur um ein simples Simulationsmodell handelt. Das mag legitim sein, weil es keine allgemein akzeptierte Definition für den Digital Twin gibt, erschwert den Unternehmen aber die Orientierung und letztlich auch die Auswahl einer praxistauglichen Digital Twin-Lösung.

Meiner Meinung nach kann man nur dann von einem digitalen Zwilling sprechen, wenn er sowohl den digitalen Planungsprozess, als auch den realen Produktionsoder Logistikprozess mit allen beteiligten Anlagen, Werkzeugen, Fördertechnik, Aktuatoren und Sensoren virtuell abbildet. Er muss digitale Planungs- und reale Produktionswelt über den gesamten Produkt- bzw. Anlagen-Lebenszyklus verbinden. Ohne Nabelschnur zur PLM- und ERP-Welt ist der digitale Zwilling nicht lebensfähig, auch wenn er mit Unmengen an Sensordaten aus dem Betriebsleben gefüttert wird.

Natürlich muss der digitale Zwilling Massendaten verwalten und verarbeiten können, und er muss das in Echtzeit tun. Er sollte auch die Möglichkeit bieten, diese Daten mit Hilfe intelligenter Algorithmen auszuwerten,

Mathias Stach, Geschäftsführer der ASCon Systems GmbH

um z.B. Prozessverbesserungen vorschlagen zu können. Aber seine wichtigste Funktion ist die Abbildung des Kontextes, um die Daten im Sinne der Fertigungslogik korrekt interpretieren zu können. Dazu muss er Informationen in unterschiedlichen Formaten, seien es Sensordaten, Maschinenparameter oder IT-Daten aus Fertigungs- und Logistik-Systemen integrieren und in Beziehung zueinander setzen.

Überwachen und Steuern sind die wichtigsten Aufgaben eines digitalen Zwillings für die autonome und modulare Fertigung. Und das bedeutet, flexibel auf Änderungen der Produktionsfolgen reagieren zu können. Das kann nur funktionieren, wenn man die Steuerung virtualisiert, d. h. von der SPS-Hardware auf eine flexibel konfigurierbare Software-Integrationsschicht verlagert. Es ist der Sturm auf die Bastille der unflexiblen speicherprogrammieren Steuerungen, mit dem der digitale Zwilling die Revolution in der Produktion einläutet.

Source: www.atpinfo.de