Die Aufräumer

ASCON SYSTEMS – Fünf gestandene Manager gründen ein
Start-up und wollen damit die Produktionsprozesse radikal
verändern. Ihr Ziel: die autonome Fabrik.

Auf dem Tisch stehen Kaffeekannen, Wasserflaschen, ein Korb mit Brezeln. Und um den Tisch herum sitzen fünf Männer im Alter zwischen 45 und 61. Wir befinden uns in Stuttgart, Hort vieler Mittelständler, von Daimler, Porsche und von Bosch.

Das  soll  die  Führungsriege  eines hoffnungsfrohen Start-ups sein? Ist das nicht  eher  das  Vorstandsteam  eines etablierten  schwäbischen  Familienunternehmens? Nein, sie sind Revolutionäre, allerdings im biederen Gewand. Das Gründerteam der ASCon Systems GmbH, in alphabetischer  Reihenfolge:  Kilian Grefen (56), Alexander von Klein (45), Raimund Menges (60), Uwe Rettich (61) und Mathias Stach (51). Die  fünf  Männer,  die  so  besessen sind von ihrer Idee, dass ihre Rhetorik so passend wie austauschbar wirkt: „disruptiv“, „revolutionär“ wollen sie sein.

Was man ihnen zugutehalten muss: Das Quintett hat eine klare, handfeste Vorstellung von seinem Produkt: Ganz am Ende ihrer Revolution soll die vollautomatisierte Produktion stehen, die menschenleere Fabrik oder – wie es in der Fachsprache heißt – die „Fabrik ohne Licht“. Und in einem ersten Schritt soll ihre Software die Umrüstung von Anlagen deutlich erleichtern. Jetzt hat die Jury des renommierten Wettbewerbs „Entrepreneur des Jahres“ das Start-up in der Kategorie „Junge Unternehmen“ zum Sieger gekürt.

Der  Wettbewerb  wird  von  der  Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY veranstaltet, manager magazin ist Medienpartner. Seit gut drei  Jahren  sind  die  fünf jetzt am Werk – damals, im Januar 2017, gründeten sie ASCon Systems und entwickelten eine Software. Sie  ermöglicht, eröffnet Raimund Menges, der Stratege der Truppe, ohne die Spur eines Zweifels in der Stimme, „eine vollständig digitale Integration von Produktentwicklung, Planung und Produktion – und zwar in Echtzeit“.

Mit ihrer Technologie des Digital Twins – dem digitalen Zwilling – werde erstmals die Lücke zwischen digitaler Planungs- und Produktionsweltgeschlossen. „Das ist revolutionär“, sagt Menges, sicherheitshalber erklärt Mathias Stach, im VW-Konzern groß
geworden, was das in der Praxis bedeutet. Wenn ein Autokonzern seine Endmontagelinie umstellen will, dauert dieser Prozess vier bis fünf Monate. Es müssen externe Spezialisten geholt werden, die die Steuerung neu programmieren. Stach: „ein hoher Aufwand,
richtig teuer.“ Mit ihrer Software gehe das viel schneller. Statt von Monaten reden sie von Stunden oder gar Minuten. Danach  allerdings  – das  zur Beruhigung des Volkswagenbetriebsrats – gehen die Werker wieder an die Arbeit und bauen die
Autos zusammen.

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Manager Magazin Sonderveröffentlichung aus Sonderheft Spezial 12/2020